Notstandskreativität und Friedliche Revolution

Im Jubeljahr der Friedlichen Revolution ist das Lügenmuseum ein Muss. Ein komplett selbst gebautes Museum, das einen authentischen Bogen von der Alltagskultur und Notstandskreativität der DDR, bis zur Gegenkultur und Friedlichen Revolution schlägt.

Verkaufen konnte der Künstler Reinhard Zabka seine Kunst nicht, weder vor noch nach dem Mauerfall, sie war einfach unbrauchbar. Was konnte ein kleiner widerständiger Künstler, allein, ohne Geld, unter der Aufsicht staatlicher Organe in der DDR, schon bewirken? Irgendwann fasste er den Entschluss, konstruierte Apparate zur eigenen Belustigung und gründete 1990 ein Lügenmuseum.

Wie kann man nur auf solch eine Idee kommen, ein Lügenmuseum zu gründen, uferlos. Die Aktualität klopft ständig an die Tür und woher der Name kommt weiß auch keiner mehr. Ein Lebenswerk wird vor Augen geführt, unverkäuflich wie seinerzeit Van Gogh, der das kosmische Bewusstsein streifte. Es entstand eine Art begehbare geistige Biographie, in die sich die Besucherinnen und Besucher selbstständig, frei und lustvoll orientieren können. In halsbrecherischem Galopp geht es durch die zeitgenössische Kunst, von der Collage, Assemblage über das Objekt zur Installation, vom Environment zum Künstlermuseum, vom „erweiterten Kunstbegriff“ zum ungezügelten Museum, welches fern jeglicher Begrenzungen durch sein eigenes Paralleluniversum schwebt. Nicht Kunst wird hier zelebriert, sondern eher das Verhältnis von Kunst und Leben. Kunst als Herausforderung, sich im Strom der geistigen Auseinandersetzungen einzumischen. Aber all die Apparate und Geräte zur Belustigung eines Künstlers an einem Ort: Das verspricht höchstes Amüsement.

Dieses Lügenmuseum, welches seit 2012 den unsanierten geschichtsträchtigen Gasthof Serkowitz in Radebeul belebt, wurde bei laufendem Besucherverkehr stückweise renoviert, neue Räume wurden für die Dauerausstellung erschlossen und es fand ein begeistertes Publikum. Wer sich von der Kreativität und dem Flow einfangen lässt, der landet auf einer Insel der medialen Entschleunigung oder erlebt einen Kulturschock, wie in einem Irrenhaus der vollkommenen Zweckfreiheit. Diskutieren werden sie noch lange, Großeltern mit ihren Enkeln, Familien, Gruppen und Museumsliebhaber, die das Lügenmuseum weiterempfehlen.

In den Sommerferien, 8. Juli – 16. August, ist das Lügenmuseum täglich von 13 – 18 Uhr geöffnet.

Richard von Gigantikow
Kunst der Lüge e.V.
Telefon: 0176 – 99 02 56 52
E-Mail: info@luegenmuseum.de       

Weitere Termine unter der künstlerischen Leitung von Reinhard Zabka:

Labystan, 30 Jahre Friedliche Revolution, Eröffnung 31. August und 1. September, Zionskirche Berlin
Labytopia,
Altäre der Revolution?, Eröffnung 11. September 18 Uhr, Kreuzkirche Dresden
Labyläum,
Skulpturengarten Elbwiesen, Weinfest Radebeul
Feuriges Finale,
29.9. 20 Uhr